Do. 12.8.10 | 19:00 Uhr | Ausstellung
Das Kabinett des Elektroheilers - Ausstellungseröffnung
Spektakuläre Ausstellung von Franz Winzentsen
im Untergrund des Kulturforums am Hafen
Mit einer spektakulären Ausstellung des Stader Objektkünstlers, Filmemachers und Sammlers Franz Winzentsen öffnet das Kulturforum am Hafen am Donnerstag, 12. August 2010, erstmals den Keller des Hauses für die Besucher. Im Mittelpunkt der Ausstellung "Der Elektroheiler" stehen selbstgebaute Bühnenbildmodelle, Requisiten und Installationen. In den Bühnenbildmodellen hat Franz Winzentsen gläserne Elektroden versteckt, die aus zwei Koffern mit skurril anmutenden Glaskolben und Elektrogeräten stammen. Diese wurden in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen als Hochfrequenz-Heilmethode eingesetzt. Die so genannte Elektrotherapie, die eine Medizin ohne Medikamente versprach, fand damals großen Zuspruch.
„Vor Jahren habe ich zwei solcher Koffer auf einem Flohmarkt erstanden und fand die Geräte zunächst einmal ästhetisch schön“, so der Künstler.
Fasziniert von den gläsernen Elektroden und getrieben von der Frage, warum diese Heilmethode als Scharlatanerie disqualifiziert wurde, brachte der Fund ihn auf die Idee, einen Wirtschaftskrimi zu verfassen. Dieser war die Grundlage für 10 surreale Bühnenbildmodelle eines Theaterstücks, das nie aufgeführt wurde. Da wird eine Glühbirne zur überdimensionierten, künstlichen Sonne, die Gott gleich angebetet wird. Menschen bewegen sich zwischen Isolatoren und Elektroden, gefangen in Spulen und Drähten. Ein Paar, für das ein Kraftwerk zum Traualtar wird.
Die Geschichten, die sich um diese Objekte spinnen könnten, hat Winzentsen in dem Film "Der Elektroheiler" verarbeitet. In dem Film, der ebenfalls im Kellergewölbe des Kulturforums zu sehen sein wird, liefern der Schriftsteller Gunter Gerlach und ein Maler-Bildhauer-Team aus Eva-Maria Jensch, Barbara Uebel und Herbert Eggert, eigene Interpretationen – der eine ein expressionistisches Familiendrama, die anderen eine Oper mit brechtscher Verfremdung. Dem unbeteiligten Besucher bleibt es vorbehalten, seine eigene Interpretation zu finden.
Abgerundet wird die surreale und neo-dadaistisch anmutende Ausstellung mit einzelnen Installationen, darunter eine Gruppierung von alten Bürsten ("Die Konferenz") aus den Hamburger Zeise-Hallen.
Wegen der sehr niedrigen Deckenhöhe und der damit verbundenen Verletzungsgefahr ist der Besuch der bis auf weiteres laufenden Ausstellung nur mit Helm gestattet.
Franz Winzentsen
ist ein bedeutender Experimental- und Animations-Filmmacher der Gegenwart. In Hamburg studierte er Malerei, Grafik und Fotografie und stellte als Examensarbeit den ersten an der Hochschule für Bildende Künste produzierten Film her. Dieser wurde als „bewegte Grafik“ gerechtfertigt, weil zu der Zeit Film an der Hochschule noch nicht gelehrt wurde.Mit Freunden betrieb er ein Figurentheater, was ihm u.a. die Auszeichnung „Meister des Puppenspiels“ einbrachte. Franz Winzentsen war 15 Jahre als Professor für Animationsfilm an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg tätig.
Im Jahr 2000 erhielt er den niedersächsischen Kunstpreis Film. Über sich selbst sagt er „Ich bin Sammler und Jäger“ und richtet das Augenmerk auf die zum Teil kuriosen Objekte inklusive Inszenierungen und die dazu gehörenden (oder erfundenen) Geschichten. Ein ehemaliger Güterschuppen am Bahnhof von Kutenholz dient ihm als privates Museum, Atelier und Werkstatt. Franz Winzentsen lebt in Stade.
Veranstalter: Kulturforum am Hafen - Land in Sicht
Do. 12 August 2010 | 19:00 Uhr
Eintritt frei












